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Linz, 10. September 2007

Die Dienstrechtsreform – zwischen Kompromiss und Katastrophe (Dr. Alois Birklbauer)

Zur Überraschung aller, die die Dienstrechtsdebatte der letzten Monate verfolgten, gab es im letzten Augenblick eine Einigung über das Dienstrecht der UniversitätslehrerInnen. Meine ganz subjektive Einschätzung: ein akzeptabler Kompromiss für die bestehenden Dienstverhältnisse, aber eine Katastrophe für Neueinsteiger und die Zukunft der Universitäten.

  • Was die bestehenden Dienstverhältnisse betrifft, so haben sich die Vertreter der Regierung wieder daran erinnert, dass es einen „Vertrauensschutz“ gibt. Folglich werden junge AssistentInnen, die sich im Vertrauen auf eine Karriere an der Universität für eine solche entschieden haben, nicht nach wenigen Jahren auf die Straße gesetzt, sondern bekommen eine Chance auf eine unbefristete Stelle.


  • Schlecht sieht das Dienstrecht dagegen für Neueinsteiger aus. Das Quasi-Dienstverhältnis des wissenschaftlichen Mitarbeiters in Ausbildung dauert vier Jahre, endet automatisch und ist nicht verlängerbar. Die Bezahlung ist deutlich geringer als bei bisherigen AssistentInnen (etwa ATS 21.000 brutto im Monat). Lehren darf ein solcher Mitarbeiter ausnahmslos erst ab dem dritten Dienstjahr (2 Stunden pro Semester), wodurch Lehrengpässe in einigen Fächern vorprogrammiert sind. Für eine solche Stelle werden kaum die besten Studienabgänger gewonnen werden können.


  • Etwas attraktiver ist der Universitätsassistent neuen Typs. Er bekommt bei 4 Stunden Lehre im Monat brutto knapp ATS 43.000 als All-Inclusiv-Gehalt. Seine Rechte und Pflichten entsprechen denen des heutigen Assistenten. Der einzige Haken: Das Dienstverhältnis endet automatisch nach 4 Jahren und ist nicht verlängerbar. Eine Bewerbung auf die selbe Stelle ist allerdings möglich. Ist der Assistent für das Institut unverzichtbar, kann seine Stelle in eine unbefristete als „Staff Scientist“ mit den wesentlichen Rechten und Pflichten eines Assistenten umgewandelt werden.


  • Begrenzt attraktiv ist auch der (befristete oder unbefristete) Vertragsprofessor mit einem Brutto-Jahresgehalt zwischen ATS 600.000 und 1,8 Mio. Auch dafür wird man kaum die besten Köpfe gewinnen können. Pragmatisierte Dozenten, die eine solche Stelle anstreben, müssten letztlich aus dem Bundesdienst ausscheiden und ihren Anspruch auf eine Beamtenpension aufgeben, für ältere eine große Hürde. Vielleicht wird es als Ausweg vorwiegend Teilzeit-Vertragsprofessuren geben, um „Leute von Außen“ an die Uni zu holen. Diese werden ihre Universitätstätigkeit gleichsam als „Nebenjob“ betrachten, was die Qualität von universitärer Forschung und Lehre nicht fördern wird.


  • Das neue Dienstrecht verlagert den Verteilungskampf an die jeweilige Universität. Der „Staat“ entscheidet nicht mehr, welche Bereiche er für forschungswürdig hält. Der Rektor tut dies, indem er festlegt, wo es künftig welche Stellen geben wird und wie viel Geld für welche Stelle zur Verfügung stehen wird. Für lukrative Bereiche wird es Sponsoring durch die Wirtschaft geben, vielleicht als „Zulage“ für Professoren (mit einer entsprechenden Werbung auf der Visitenkarte?). Nur Naivlinge können dann noch von einer Freiheit der Forschung ausgehen.

  • [*]Die Universität insgesamt wird sich in den nächsten Jahren radikal verändern. Alle möglichen Organisationen fühlen sich inzwischen berufen, mitzumischen, um die Universität künftig stärker für sich nützen zu können. Ich hoffe, dass im Reformprozess nicht übersehen wird, dass Universitäten mitunter anderen Gesetzen gehorchen als typische Unternehmen am freien Markt. Wer die Universitäten zerstört, zerstört die Zukunft. Doch dies zeigt sich mitunter nicht schon nach wenigen Legislaturperioden.

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